Moschee & Museum in Istanbul
Hagia Sophia

Konstantinopel lag auf der historischen Halbinsel Byzantion. Diese Halbinsel bildet heute den historischen Stadtkern von Istanbul. Die Spitze der Halbinsel hießt Eminönü und ist der Ort, an dem sich einst das Zentrum von Konstantinopel befunden hat. Hier liegt eben dem Hippodrom, dem Topkapi-Palast und mehreren bedeutenden Moscheen auch die Hagia Sophia.

Die Hagia Sophia wurde im 6. Jahrhundert als Kirche erbaut, wurde später eine Moschee und ist heute ein Museum. Die offizielle Grundsteinlegung war am 23. Februar 532. Nur fünf Jahre später – am 27. Dezember 537 – war die offizielle Eröffnung. Bis 1054 war die Hagia Sophia die wichtigste Kirche im Byzantinischen Reich. Anschließend war sie abwechselnd griechisch-orthodox und römisch-katholisch. Ab 1453 war die Hagia Sophia eine Moschee. Seit 1931 ist das ehemalige Gotteshaus ein Museum. Die Hagia Sophia hat vier Minarette und eine riesige Hauptkuppel mit einem Durchmesser von 31 Metern. Die Kuppel ragt 56 Meter in die Höhe. Die vier Minarette und die riesige Kuppel gehören zum Stadtbild von Istanbul.

Bilder

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Geschichte

Die Hagia Sophia gilt als die bedeutendste Kuppelbasilika der Spätantike. Bereits unter Kaiser Konstantin I. hatte man um 325 in Eminönü mit dem Bau einer Kirche begonnen. Diese Kirche und zwei Nachfolgebauten brannten ab. Kaiser Justinian befahl schließlich den Bau einer neuen, großen Kirche. Die Form soll ihm im Traum eingegeben worden sein. Einem Mythos zufolge soll der Kaiser 360 Zentner Gold investiert haben. Neuere Forschungen zeigen, dass es sich wahrscheinlich um 145 Tonnen Gold handelte.

Die Kirche konnte unter der Leitung des Architekten Anthemios von Tralleis und dem Mathematiker Isidor von Milet innerhalb von nur sechs Jahren fertiggestellt werden, da zehntausend Arbeiter an dem Bau beschäftigt waren. Kaiser Justinian erschien täglich am Bauplatz und beteiligte sich persönlich an den Plänen. Bei der Eröffnung 537 soll er gerufen haben: „Salomon, ich habe dich übertroffen!“ Damit meinte er, dass die neue Kirche größer und mächtiger geworden war, als der Tempel von Jerusalem.

Die Kuppel war damals jedoch noch nicht in ihrer heutigen Form fertig gestellt. Die erste Kuppel war sehr flach und stürzte am 7. Mai 558 bei einem Erdbeben ein. Bei einem noch größeren Erdbeben 989 wurde die neue – inzwischen etwas größere – Kuppel ebenfalls zerstört. Die Kuppel wurde anschließend neu aufgebaut, bekam aber erst 1346 – nach einem weiteren schweren Erdbeben – ihre heutigen Stützmauern.

Fakten zur Kuppel

Die Kuppel enthält 40 Fenster. Sie sollen Rissen im Gewölbe vorbeugen, sorgen jedoch auch für das besondere Licht in der Hagia Sophia. Da sie wie schwerelos wirkt, weil alle Stützpfeiler sehr diskret eingearbeitet wurden, galt sie bis ins späte Mittelalter als das achte Weltwunder. Sie war die größte Kirche der Christenheit und verlor diesen Status erst 1453, als die Osmanen Konstantinopel übernahmen und die Kirche zu einer Moschee umwandelten.

Da die Kuppel bereits mehrere Male von Erdbeben zerstört wurde, besteht die Angst, dass es bei einem weiteren schweren Erdbeben erneut zu einem erneuten Verlust der Kuppel kommen könnte. Deshalb wurde von der UNESCO in Zusammenarbeit mit der türkischen Regierung eine Kommission gegründet, die herausfinden soll, wie eine zukünftige Zerstörung vermieden werden kann.

Zerstörung und Umwandlung der Hagia Sophia

Ein christlicher Gottesdienst fand zum letzten Mal am 27. Mai 1453 statt. Sultan Mehmed II. hatte Konstantinopel belagert und eine Plünderung angedroht. Er verwirklichte diese Drohung nach der Eroberung der Stadt am 29. Mai 1453. Schließlich ritt der Sultan auf seinem Pferd in die Hagia Sophia ein und hielt einen ersten islamischen Gottesdienst in der Kirche. Er soll dabei „voller Bedauern“ auf die Zerstörung des Gebäudes geblickt haben.

Die christlichen Utensilien wie die Heiligenstatuen, Kreuze, Mosaike, Ikonen und die Glocken wurden zerstört oder weggebracht. Nur eine Glocke hat diese Epoche überlebt. Der Glockenturm wurde abgerissen, dafür entstanden im Laufe der Jahrhunderte vier Minarette. Der alte Glockenturm für die neun Glocken, die Venedig der Kirche einst gespendet hatte, stand wahrscheinlich an der Westfassade. Einigen Quellen zufolge soll die Hagia Sophia sogar zwölf Glocken gehabt haben. In einem historischen griechischen Klagelied, in dem die Eroberung und Zerstörung Konstantinopels besungen wird, ist sogar von 300 kleinen Glocken und 62 großen Glocken die Rede.

Bei Restaurierungsarbeiten konnten elf Mosaike mit christlichen Motiven wieder aufgedeckt werden. Dazu gehören das Deesis-Mosaik an der Südempore und das Stiftermosaik aus dem 11. Jahrhundert, das den Kirchenstifter Kaiser Justinian und die Jungfrau Maria zeigt.

Museum

Die türkische Regierung beschloss 1934, die Hagia Sophia Wissenschaftlern und Archäologen zu übergeben und das Gebäude in ein Museum umzuwandeln. Dank dieses Schrittes konnten die Mosaike wieder freigelegt werden. Die Geschichte des Bauwerks wurde ab diesen Zeitpunkt das zentrale Thema. Muslimische Zubauten und Anbauten wurden deshalb beibehalten und für Besucher geöffnet. Das Museum ist heute Zeugnis christlicher und islamischer Vergangenheit. Einige Mosaike haben christliche Motive, andere zeigen arabische Schriftzüge und Symbole aus dem Islam.

Öffnungszeiten

Das Museum ist im Sommer täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. In den Wintermonaten ist es ab 17 Uhr geschlossen.

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Foto: Hagia Sophia (Foto: Anna Jedynak | Shutterstock)